Im Juli kam die Absage. Die Bescheinigungsstelle sah weder Neuartigkeit noch wissenschaftlich-technisches Risiko – bei einem Vorhaben, das auf einer eigens beauftragten Dissertation aufbaut.
Vier Monate später lag die Bescheinigung vor. Dazwischen lag ein Widerspruch, der die Argumente dorthin brachte, wo sie hingehörten.
Der Wertstrom als Rechenaufgabe
Wertstromanalyse ist Handarbeit. Ein Team läuft durch die Fabrik, zeichnet Prozesse, misst Bestände, rechnet Takte. Am Ende steht ein Bild vom Ist-Zustand und Erfahrungswissen darüber, wo man ansetzen muss.
Genau dieses Erfahrungswissen sollte maschinenlesbar werden. Nicht die Analyse automatisieren, sondern die Entscheidung: Welche Segmentierung, welche Prozessverbindung, welche Fertigungsstufe bringt den Wertstrom weiter?

NEONEX: Beratung, die selbst entwickelt
Gegründet 2017 in Stuttgart von Thomas Rohrbach, Dr. Jochen Schlick und Dr. Peter Stephan. NEONEX begleitet Industrieunternehmen durch die digitale Transformation von Produktion und Lieferkette, unter anderem VW, ABB und ABUS.
Mit 15,5 Vollzeitstellen ist das Haus schlank. Trotzdem entsteht hier eigene Software: der Value Stream Designer, der komplexe Wertströme digital erfasst und automatisch visualisiert. Das Forschungsvorhaben setzt darauf auf.

Markov trifft Materialfluss
Der Ansatz kommt aus einer spannenden Richtung: Markov-Decision-Processes sind in der Produktionsplanung etabliert. Auf die Strukturoptimierung fabrikübergreifender Wertströme hatte sie bis dahin niemand übertragen.
Genau das ist der Kern. Der Wertstromgraph wird als MDP modelliert, Decision Points markieren die Stellen, an denen über Varianten entschieden wird, und ein Reinforcement-Learning-Agent lernt an simulierten Wertstromvarianten, welche Entscheidung trägt.

Was schiefgehen konnte
Reward-Funktionen für Produktionsnetzwerke sind schwer zu definieren. Ob sich Wertstromgraphen als MDP überhaupt zu konvergenten Optimierungen führen lassen, war zu Projektbeginn offen. Das war das größte Risiko im Vorhaben.
Dazu kam die Frage der Granularität. Wie fein müssen Decision Points gesetzt werden, damit brauchbare Policies entstehen, ohne dass der Aufwand explodiert? Und tragen deterministische Policies an jedem Punkt, etwa bei der Abwägung zur Pufferreduktion?

Der Widerspruch, der saß
Im Juli 2025 lehnte die BSFZ ab. Die Neuartigkeit sei nicht hinreichend beschrieben, die genannten Risiken zu allgemein.
Banhoek Consulting formulierte den Widerspruch. Er benannte die Übertragung der MDP-Methodik auf Wertströme als Kern der Neuartigkeit, führte acht konkrete wissenschaftlich-technische Risiken auf und belegte den Stand der Technik mit der eigens beauftragten Dissertation. Am 13. November 2025 wurde ihm abgeholfen.













